Literatur
»Ich vergesse das meiste was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe, ich weiß aber so viel, beides trägt nichts desto weniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei« (Georg Christoph Lichtenberg)
Hier folgen Hinweise auf nahrhafte und nützliche Texte für unterschiedliche Felder der kirchlich-diakonischen Öffentlichkeitsarbeit – Stand: Januar 2012.
das neue Buch:
Johanna Haberer: Gottes Korrespondenten. Geistliche Rede in der Mediengesellschaft; Stuttgart 2004
Haberer gliedert ihr Buch in drei Teile: In einem ersten Teil skizziert sie die Veränderungen für die Kirche, die sich aus ihrer Existenz in der Mediengesellschaft ergeben. Dabei konzentriert sie sich auf die Frage, welche kirchliche Rede bei den Menschen in der Mediengesellschaft Aufmerksamkeit erregt. Ihre Beobachtungen beziehen sich überwiegend auf die Massenmedien Hörfunk und Fernsehen, ihre Rückschlüsse weisen darüber hinaus. Ein zweiter Teil nimmt einzelne Fernsehgottesdienste in den Blick, der dritte Teil versucht Konsequenzen für »journalistisches Predigen« zu ziehen. Die Bobachtungen im ersten Teil muten streckenweise etwas altmodisch an, weil in den vergangenen acht Jahre das Ptivatfernsehen und vor allem das Internet gesellschaftprägend gewirkt hat. Kirchliche Reaktionen sind weithin ausgeblieben, so dass Haberer zwar nicht aktuell, aber immer noch gültig analysiert und fordert. Der dritte Teil gibt interessante Anregungen zum konkreten und präzisen Predigen. Besonders die journalistischen Formen wirken inspirierend und könnten die Anschlussfähigkeit geistlicher Rede in der Gegenwart vergrößern.
Was schon vorgestellt wurde – und weiterhin nützlich ist unter den folgenden Stichworten :
Fotografie | Gemeindebrief | Gestaltung | Grundlagen | interne Kommunikation | Internet | Journalismus | Kampagnen | Kommunikation | Konzeptionsfragen und Konzeptionstechnik | Kreativität | Organisationsberatung | Predigt | Präsentation | Recht | Schreiben | Soziale Arbeit | Theologie | Verschiedenes
Fotografie
• Julian J. Rossig: Fotojournalismus; Konstanz 2006
Rossig führt auf angenehme Weise in die Fotografie ein. Der Schwerpunkt einer journalistisch ausgerichteten Fotografie zieht sich durch das ganze Buch, ergänzt durch erfreulich knappe Hinweise zur Technik. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit dem Bildaufbau und der Fotografie von Menschen. Rechtliche Hinweise für Fotografen und Fotografierte runden das Buch ab. Ein guter Einstieg, um Fotografie auch für die Öffentlichkeitsarbeit professioneller einzusetzen.
Gemeindebrief
• Dietmar Hauber: Gemeindebrief. Tipps und Tricks für die professionelle Gemeindebriefgestaltung; Stuttgart (ohne Jahr) [2010]
Hauber hat die Tipps und Tricks für eine Website verfasst und legt sie nun als Buch vor – erhalten bleiben die kurzen prägnanten Texte und die anschauliche Bebilderung. Das Buch ist ein guter Einstieg, um sich mit den grundlegenden Fragen vertraut zu machen, die vom Gemeindebrief berührt werden. In fünf Rubriken (Konzeption, Redaktion, Gestaltung, Produktion, Recht) begleitet Huber den Weg eines Gemeindebriefes. Notwenigerweise kommen bei 104 Seiten nicht alle Details zur Sprache, werden nicht alle Begriffe und Vorgehensweisen ausführlich erläutert. Schade ist der Verzicht auf weiterführende Literatur und nützliche Links, ärgerlich sind kleine Ungenauigkeiten im Rechtsteil: Die Zustimmungspflicht von Fotografierten zur Veröffentlichung hat nichts zu tun mit der Frage, wie viele Menschen auf dem Foto erfasst sind (S. 99). Dennoch: Ein ansprechendes und motivierendes Buch für alle, die mit dem Gemeindebrief zu tun haben.
Gestaltung
• Ralf Herrmann: Zeichen setzen. Satzwissen und Typoregeln für Textgestalter; Bonn 2005
Enorm kenntnisreich und präzise: Eine Fundgrube der Antworten für alle Fragen, die sich rund um die Typografie in Print und im Web ergeben können. Nützlich für die Detailinformationen und die Pflege des eigenen Perfektionismus. Wer bei Khasaeli Lust auf mehr Typografie bekommen hat, wird Herrmann mit Freude und Gewinn lesen.
• Cyrus Dominik Khazaeli: Crashkurs Typo und Layout. Vom Schriftdesign zum visuellen Konzept; Reinbeck bei Hamburg 2005
Ein heimliches Standard-Buch für alle, die mit Sehen und Gesehen werden zu tun haben. Khasaeli steigt einfach und grundlegend ein, um die Lesenden im Verlauf der Seiten in nützliche Höhen und Tiefen der visuellen Kommunikation zu entführen. Dabei hat er sehr ambitionierte Laien und angehende Profis vor Augen, die Mit dem PC oder dem Mac umgehen können und dabei auch Layoutprogramme wie QuarkXPress bedienen. Khazaeli balanciert gekonnt zwischen theoretischer Grundlegung und praktischer Anwendung. Unbedingt empfehlenswert für Interessierte mit dem Mut zum Weiterblättern, wenn es zu detailreich wird.
• Pina Lewandowsky / Francis Zeischegg: Visuelles Gestalten mit dem Computer;
Reinbeck bei Hamburg 2002
Lewandowsky und Zeischegg machen ernst damit, dass Gestaltung heute weitestgehend Computerarbeit ist. Genau deshalb stellen sie in ihrem Buch Übungen vor, die den Computer als Werkzeug nutzen. Mit diesen Übungen gewinnen die Anwender enorme Kompetenz im gestalterischen Bereich, mit und ohne Rechner. Schließlich macht das Autorenpaar mit allen wesentlichen Fragen der Gestaltung vertraut. Eine Lektüre mit Gewinn setzt allerdings eigenes Üben und Grundkenntnisse eines Layout-Programms voraus.
• Günter Schuler: body types. Kompendium der Satzschriften; Kilchberg (Schweiz) 2003
Im ersten Teil zeichnet Schuler die Entwicklung der Schrift nach. Die heutige Verwendung von Schriften bestimmen dabei sein Interesse. Deshalb nimmt die Entwicklung der letzten einhundert Jahre den überwiegenden Raum ein. Der zweite Teil präsentiert anschaulich die wichtigsten Schriften, die im Satz Verwendung finden. Durch Anwendungsbeispiele erzielt Schuler eine gute Vergleichbarkeit unterschiedlicher Schriften. Eine schöne Schule für das Auge und eine Verführung, die vorgestellten Schriften auch zu verwenden.
• Günter Schuler: Digital gestalten. Der Erste-Hilfe-Kurs in Typo, Farbe und Layout; Reinbeck bei Hamburg 2005
• Hans Peter Willberg: Wegweiser Schrift. Erste Hilfe für den Umgang mit Schriften. Was passt - was wirkt - was stört; Mainz 2003
Preiswert im besten Sinne, lesbar und eine Augenfreude. Leichte Überschneidungen mit dem zweiten Buch Willbergs, hier mit dem Schwerpunkt auf schriftbetonte Gestaltung. Für Einsteiger in die Gestaltung und die Typografie sehr zu empfehlen.
• Hans Peter Willberg, Friedrich Forssmann: Erste Hilfe in Typografie.
Ratgeber für Gestaltung mit Schrift; Mainz 2001
Preiswert im besten Sinne, nachvollziehbar und anwendungsoriert. Leichte Überschneidungen mit dem ersten Buch Willbergs, hier mit dem Schwerpunkt auf der differenzierten Verwendung von Schriften. Für etwas Fortgeschrittene sehr zu empfehlen.
Grundlagen
• Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (Hrsg.): Öffentlichkeitsarbeit für Nonprofit-Organisationen; Wiesbaden 2004
• Rainer Lange / Marianne Ohmann: Fachlexikon Öffentlichkeitsarbeit; Frankfurt am Main 1997
Ein Klassiker, der in die Jahre kommt und trotzdem attraktiv bleibt: Lange und Ohmann stellen die wesentlichen Begriffe der Öffentlichkeitsarbeit (und ihres Umfeldes) knapp und verständlich dar. Kein Lehrbuch, aber ein nützlicher kleiner Helfer.
Internet
• Peter Berger: Unerkannt im Netz. Sicher kommunizieren und recherchieren im Internet; Konstanz 2008
Berger erzählt eine Geschichte. Anhand der (fiktiven) Story eines Journalisten führt er durch die Wege elektronischer Kommunikation, die durchaus auch von normalen Nutzenden beschritten werden. Was einfach und alltäglich beginnt, entwickelt sich zu einem bedrohlichen Szenario - was sicher erscheint, ist keineswegs sicher. Berger erläutert damit Stärken und Schwächen, Chancen und Gefahren, die mit der Kommunikation im Netz verbunden sind. Legales und illegales und vieles in der Grauzone dazwischen führt der Journalist vor, verbunden mit profunden Hinweisen zu rechtlichen Situation. Ausführlich leitet das Buch zu eigenem, weithin sicheren Handeln an und nennt auch die notwendigen technischen Voraussetzungen. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch für alle, die mit dem Internet zu tun habe.
• Wilfred Lindo: Newsletter-Marketing; Poing 2008
Wer wissen will, was mit Newslettern machbar ist und wie es funktioniert, kommt hier auf seine Kosten. Voraussetzung ist allerdings eine gewisse Umempfindlichkeit gegenüber dem Marketing. Denn Lindo schreibt aus dem Marketing für das Marketing. Der Vorteil besteht in der klaren Zielorientierung und der sauber gearbeiteten Erfolgskontrolle. Ebenso präzise benennt Lindo die nötigen Schritte zum erfolgreichen Newsletter und lässt auch heikle Fragen wie die Gewinnung von Adressen und die rechtlichen Hürden nicht aus. Die Hinweise zur Technik bleiben in vernünftigem Rahmen, die praktischen Tipps, etwa zum richtigen Zeitpunkt des Versendens, sind realitätsnah. Für Newsletter im Nonprofit-Bereich ist das Buch nützlich – auch wenn sich die eigenen Kommunikationsziele von denen Lindos unterscheiden (Öffentlichkeitsarbeit statt Marketing, Orientierung an Nonprofit statt an Profit). Ein guter Einstieg in ein eher missachtetes Feld der Öffentlichkeitsarbeit.
• Norbert Schulz-Bruhdoel / Michael Bechtel: Medienarbeit 2.0 .Cross-Media-Lösungen; Frankfurt am Main 2009
Auch wenn der zweite Untertitel sehr vollmundig daherkommt (»Das Praxisbuch für PR und Journalismus von morgen«) – ein anregendes und detailsreiches Buch, das vor allem in der Analyse überzeugt. Harte Fakten und eher weiche Trends verbinden die Autoren zu einem beeindruckenden Überblick: Wie funktioniert gesamtgesellschaftliche Kommunikation im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts? Wie verändern sich Mediennutzungsgewohnheiten? Zentrale Stichworte sind räumliche und zeitliche Entgrenzung der Kommunikation durch mobile und selbstorganisierten Medienkonsum sowie der mehrstimmige Dialog mit Social Software. Die Hinweise auf Konsequenzen für die Verantwortlichen und Tätigen bleiben dagegen eher abstrakt. Kein Buch für die Praxis, wenn darunter handwerkliche Anleitungen verstanden werden. Aber ein praktisches Buch, weil es den Blick weitet und Anregungen schenkt.
• Melanie Wieland / Matthias Spielkamp: Schreiben fürs Web. Konzeption - Text - Nutzung;
Konstanz 2003
Der Titel führt leider in die Irre, denn das Buch ist wesentlich mehr als eine Scheibschule für die eigenen Internetpräsenz. Wieland leitet im ersten Teil kenntnisreich durch die Wege und Abwege, an deren Ende eine Homepage steht. Spielkamp ergänzt dann Wesentliches für die Arbeit an Texten im Netz. Im dritten Teil fällt ein komprimierter Blick auf die die Nutzung der Seiten durch die Nutzer. Auch wenn beiden die journalistische Herkunft anzumerken ist, stellt dieses Buch einen guten Einstieg für diejenigen dar, die sich mit der Komzeption von Sites oder (nur) dem Texten befassen wollen.
interne Kommunikation
• Lars Dörfel (Hrsg.): Instrumente und Techniken der Internen Kommunikation. Trends, Nutzen und Wirklichkeit; Berlin 2008
Ein Sammelband, in dem sehr unterschiedliche Aspekte des Themas beleuchtet werden. Beiträge zu Grundlagen und gegenwärtigem Stand der Diskussion greifen die Veränderungen auf, die sich in den vergangenen drei Jahrzehnten vollzogen haben (Ausweitung der Instrumente, Informationsüberfülle). Im zweiten Teil stehen die aktuellen Instrumente im Mittelpunkt, wobei sich die Instrumente auf ein kommerzielles Unternehmen beziehen und die Besonderheiten von Nonprofit-Organisationen, etwa die Zusammenarbeitmit den vielen Ehrenamtlichen, unbeleuchtet bleiben. Instruktiv und anregend aber, welche Wege die interne Kommunikation nutzen kann (Story-Telling, Web 2.0-Instrumente). Erkenntnisse aus den Neuro-Wissenschaften geben im dritten Kapitel wichtige Hinweise auf Inhalt und Gestaltung interner Kommunikation, etwa den Vorzug von Bildern und Geschichten gegenüber Worten und Informationen. Das vierte Kapitel, Leistungs- und Wirkungsmessung, ist vor allem interessant durch die vorgestellten Denkmuster: interne Kommunikation schafft Werte und fördert die Effektivität. Hier finden sich hilfreiche Argumente, um den Bereich der internen Kommunikation zu begründen und eventuell auszubauen.
• Ulrike Führmann, Klaus Schmidbauer: Wie kommt System in die interne Kommunikation? Ein Wegweiser für die Praxis; Potsdam 2008
Das Buch übersetzt die bekannte Weise des Konzeptentwickelns (Schmidbauer, Das Kommunikationskonzept. Konzepte entwickeln und präsentieren, Potsdam 2004) in das Feld der internen Kommunikation. Positiv: Anschauliche und nachvollziehbare Schrittfolge, fast ein Lehr- und Anleitungsbuch, viele Checklisten. Schwierig: Bezugsrahmen ist das Handeln eines Wirtschaftsunternehmens, Besonderheiten der Nonprofit-Organisationen (Arbeit mit Refinanzierungen, differenzierte Sicht auf die Stakeholder, Einbeziehung von Ehrenamtlichen, etc.) fehlen leider komplett.
Journalismus
• Wolf Schneider, Paul–Josef Raue: Das neue Handbuch des Journalismus; Reinbeck bei Hamburg 2003
• Walther von La Roche: Einführung in den praktischen Journalismus. 16 Auflage; München 2003
• Michael Haller: Recherchieren; Konstanz 2004
• Claudia Mast (Hg.): ABC des Journalismus. Ein Handbuch (10., völlig neue Auflage);
Konstanz 2004
Kampagnen
• Eberhard Blanke: Kommunikationskampagnen. Ansätze und Kriterien einer praktisch-theologischen Kampagnentheorie; Stuttgart 2010
Blanke stellt die gängigen Definitionen und Theorieansätze zu Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen übersichtlich dar. In diesem Rahen analysiert er dann die wichtigsten Kampagnen im Raum der EKD und entwickelt sehr präzise, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Kampagnen auch erfolgreich sind. Dabei schließt er die Themenfelder »Kircheneintritt« und »Sonntag« nicht mit ein, weil zu diesen vielfältigen Vorhaben kein wissenschaftliches Material verfügbar ist. Hier, wie an vielen anderen Stellen auch, verweist Blank auf eine problematische Lücke: Zwischen enormen Engagement auf der pragmatischen Seite und dem erschreckenden Theorie- und Theologiedefizit auf der anderen. Sein eigener Ansatz, (Kapitel 4) bettet Kampagnen plausibel ein in die gegenwärtige Theoriebildung der Praktischen Theologie. Ein anregendes Buch, gut strukturiert und strukturierend, aber eher für den Wissenschaftler denn für den Praktiker.
Kommunikation
• Siegfried J. Schmidt, Guido Zurstiege: Orientierung Kommunikationswissenschaft. Was sie kann, was sie will; Reinbeck bei Hamburg 2000
• Friedemann Schulz von Thun: Miteinander Reden. Störungen und Klärungen; Reinbeck bei Hamburg 1981 (und zahlreiche Nachauflagen)
• Paul Watzlawick u.a.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien; Bern 2000
Konzeptionsfragen und Konzeptionstechnik
• Fissenewert, Renée / Schmidt, Stephanie: Konzeptionspraxis. Eine Einführung für PR –und Kommunikationsfachleute – mit einleuchtenden Betrachtungen über den Gartenzwerg; Frankfurt am Main 2007
Fissenewert schreibt ihr mit Dörrbecker verfaßtes Buch (1. Auflage 1995) fort und konzentriert sich auf die Konzeptionsarbeit. An dem sehr anschaulichen Beispiel der Gartenzwerge vermittelt sie die einzelnen Bausteine zur Erstellung einer Kampagne, ohne den großen Bogen aus den Augen zu verlieren. Konsequent bleiben die Autorinnen bei der Perspektive (und dem Innenleben) einer Agentur. Alle Schritte eines strukturierten Ablaufs kommen vor. Schön zu lesen und unterhaltsam dazu. Für Gartenzwergfreunde ein absolutes Muß!
• Klaus Schmidtbauer, Eberhard Knödler-Bunte: Das Kommunikationskonzept. Konzepte entwickeln und präsentieren; Potsdam 2004
Schmidtbauer und Knödler-Bunte fassen ihre Arbeit im PR-Kolleg Berlin für dieses Buch zusammen. Die Schrittfolge ist etwas kleingliedriger als die von Fissenewert und Schmidt: Mit ihren neun Schritten belegen die beiden Autoren momentan den (numerischen) Spitzenplatz. Inhaltlich bieten sie vor allem die Perspektiven der Agenturarbeit im Profitbereich, mit interessanten Details und unterhaltsamen Anekdoten. In der Haltung und dem Ansatz bricht sich immer wieder eine offensichtlich branchenübliche Arroganz Bahn, im Stil ist das Buch streckenweise plaudrig, im Layout verblüffend schlecht.
Kreativität
• Annette Blumenschein / Ingrid Ute Ehlers: Ideen-Management. Wege zur strukturierten Kreativität; München 2002
Eine hervorragende Hinführung zum »strukturierten Kreativität«, die zugleich praxisorientiert ist. Viel Hintergrundwissen, dann auch detailliert zu kreativen Prozessen und einzelnen Kreativmethoden. Unbedingt empfehlenswert, wenn auch etwas teuer. [Das Buch ist leider vergriffen, die Autorinnen haben 2007 »Ideen managen: Eine verlässliche Navigation im Kreativprozess« vorgelegt.]
• Edward de Bono: Das Sechsfarben-Denken; Düsseldorf 1993
Bono hat ein eigenständiges Modell entwickelt, um das Finden von Ideen und das Bewerten methodisch sauber zu trennen. Sein Ansatz ist besonders geeignet, den Bewertungs- und Auwahlprozess systematisch zu gestalten.
• Jack Foster / Larry Corby: Einfälle für alle Fälle. Erfinden, Ausdenken und andere Möglichkeiten, Ideen in die Welt zu setzen; 2. Auflage, Frankfurt am Main 2005
Forster und Corby entwerfen eine Weltanschauung und Lebensführung, die Kreativität in einem sehr weiten Rahmen stellt. Keine Anleitung zum Ideenfinden, sondern eine Einladung, durch das alltägliche Leben offen zu sein für Einfälle. Ein anregendes Buch, im guten Sinne un-praktisch.
• Morgens Kirckhoff: Mind Mapping; 12. Auflage, Offenbach 1998
Eine spezielle Methode, um Kreativität anzuregen und zu fördern. Für manche hilfreich, für andere eher unzugänglich.
• Lenk, Hans: Kreative Aufstiege. Zur Philosophie und Psychologie der Kreativität; Frankfurt am Main 2000
Lenk denkt viel, tief und kenntnisreich – der Titel beschreibt den Inhalt präzise. Für Interessiert an Hintergrundwissen ein Einstieg in Debatten um die Grundlagen der Kreativität. (Die Neurobiologie wird weithin ausgeklammert.) Eher ein Kann als ein Muss.
• Matthias Nöllke: Kreativitätstechniken; 5. Auflage, Planegg 2006
Sehr übersichtlicher und kompakter Zugang zu einzelnen kreativen Methoden, schöner schneller Einstieg, der allerding den Prozess und seine Regeln eher unbeachtet lässte. Als »Inhaltverzeichnis« des Methodenkoffers bestens geeignet.
• Mario Priggen: Kribbeln im Kopf. Kreativitätstechniken und Brain-Tools für Werbung und Design; 3. Auflage, Mainz 2004
Für alle Freunde und Freundinnen opulenter bilderreicher Bücher. Priggen kombiniert die Methoden der Kreativität mit Beispielen aus Werbung und Öffentlichkeitskeit. Sehr unterhaltsam und mit großem Gewinn zu lesen, mehr noch: Zu bestaunen. Kein Lehrbuch, sondern eine Quelle der Inspiration, die leider keine Beispiele für Aktionen/Handlungen etc. enthält. Schön und schwer und ein Schatz.
• Mario Priggen: Kribbeln im Kopf. Creative Sessions; 2. Auflage, Mainz 2006
Kein Buch, sondern 100 Karten mit Fragen/Anregungen, die in kreativen Prozessen kleine Wunder bewirken können. Wer sich auf diese Herausforderungen einlassen kann, wird zu Wegen und Umwegen inspiriert, an deren Rändern neue oder erneuerte Ideen wachsen. Gut geeignet für die eigentliche kreative Phase, setzt ein wenig Übung und (vielleicht) eine Moderation voraus.
Organisationsberatung
• Heiner Ellebracht u.a.: Systemische Organisations- und Unternehmensberatung. Praxishandbuch für Berater und Führungskräfte, Wiesbaden 2002
• Stöber, Antje: Kirche - gut beraten ? Betrachtung einer Kirchengemeinde aus betriebswirtschaftlicher und funktionalistisch-systemtheoretischen Perspektive; Heidelberg 2005
Stöber arbeitet sich - wie viele vor ihr - am evangelischen München-Programm ab. Sie tut dies aber auf einem singulärem Niveau, in dem sie Theorie-Einsichten des Ansatzes von Niklas Luhmann mit betriebswirtschaftlichem Wissen verbindet. Zugleich bezieht sie eine zweite, gänzlich anders aufgestellte Gemeinde in ihre Betrachtungen mit ein. So kann sie neue Einsichten gewinnen über den Status und die Verfaßtheit von Kirchenorganisationen, ihre Funktionen und Perspektiven. Ein anregendes Buch vor allem für Beratende und Theologie Treibende.
Präsentation
• Imai-Alexandra Roehrke: Reden schreiben; Konstanz 2002
Roehrke bearbeitet ein eher übersehenes Feld der Öffentlichkeitsarbeit: Die Rede (oder auch die Ansprache, das Grußwort, die Eröffnung, ...). Sie bringt als Redenschreiberin die Fülle ihrer eigenen Erfahrungen ein und damit die besondere Herausforderung, dass Öffentlichkeitsverantwortliche zuweilen auch Reden für andere Menschen verfassen müssen. Beiden Personenkreisen nützt dieses Buch, vor allen den Schreibenden, aber auch den Redenden.
Die Schreibenden erfahren, wie der Weg vom Auftrag über den Zugang zum Stoff, der Sammlung und Gewichtung, der Ideenfindung und dem Aufbau der Rede aussehen kann. Roehrke vertraut dabei auf eine eher klassisch anmutende Rhetorik, die sich aber als Ausgangspunkt auch für Avantgardistisches eignet. Die Redenden erhalten einige Hinweise über den souveränen Umgang mit dem Manuskript und die Präsenz vor einem Publikum.
Roehrke schreibt unterhaltsam und intelligent, lebensnah und lehrreich. Sie unterfüttert die handwerklichen Aspekte sparsam, aber erkennbar mit kommunikativer und konzeptioneller Theorie und sticht so aus der Fülle der pragmatistischen Ratgeber angenehm hervor. Dass die präsentativen Bereiche eher karg bleiben, ist dem Ansatz des Buches geschuldet, der sich dann doch auf das Schreiben der Rede konzentriert.
• Stefan Spies: Authentische Körpersprache; Hamburg 2004
Als Regisseur kennt Spies die Wirkungen der körpersprachlichen Kommunikation, als Trainer setzt er dieses Wissen für den außertheatralischen Bereich produktiv um. Auch wenn die Überschriften einzelner Kapitel teilweise übertriebene Versprechungen machen ("... wie Sie erfolgreich Ihre Interessen durchsetzen"), schildern die einzelnen Abschnitte anschaulich und focussiert typische Kommunikationssituationen und deren Fallstricke. Angenehm ist der Verzicht auf Regeln zugunsten der Einsicht, dass Körpersprache Ausdruck ist und deshalb gewünschte Veränderungen von der Einstellung her wirksam werden. Die Fotografien und die praktischen Hinweise machen auf Wirkungen und Nebenwirkungen aufmerksam und leiten zum eigenen Üben an. (Dass Spies sehr buisness-orientiert und absolut männerlastig darstellt, ist ein erheblicher Mangel.)
• Gene Zelazny: Das Präsentationsbuch; Frankfurt/Main 2001
Der Autor war viele Jahre „Director of Visual Communications“ bei der Unternehmensberatung McKinsey. In seinem Buch setzt er auf die Kraft des Einfachen und Unmittelbaren. Mit praktischen Übungen verdeutlicht er seine These, dass jede und jeder Gedanken in visuelle Kommunikation überführen kann. Zelazny kann es sich (wieder) leisten, Authentizität gegen scheinbare Perfektion auszuspielen und so die Echtheit und Überzeugung in die Mitte der Präsentation zu rücken. Viele praktische Tipps und kleine Geschichten runden dieses ziemlich amerikanische Buch ab. Leider ist zu spüren, dass Zelazny vor allem in Folien und Charts denkt und die Entwicklung zum Beamer nicht mehr im Detail nachvollzogen hat. Dennoch bleiben seine Hinweise und Ermutigungen anregend und hilfreich.
Predigt
– siehe den aktuellen Tipp –
Recht
• Viola Falkenberg: Im Dschungel der Gesetze. Leitfaden Presse- und Öffentlichkeitsarbeit;
Bremen 2004
• Klaus Rehbock: Medien- und Presserecht. Grundlagen, Ansprüche, Taktik, Muster; München 2005
Rehbock ist Anwalt und schreibt wie ein Anwalt. Was im ersten Moment der Lektüre befremden könnte, erweist sich im Verlauf als eine der Stärken des Buches. Als Anwalt, der im Bereich des Presse- und Medienrechtes zuhause ist, führt Rehbock Denkstrukturen und Sprachformen vor, die im besten Sinn "juristisch" sind. Dadurch erschließen sich auch dem Nicht-Juristen diese häufig unbekannten Welten.
Die Konzentration auf das Medienrecht berührt viele Aspekte der Öffentlicheitsarbeit, etwa das Recht am eigenen Namen und eigenen Bild, und bietet eine gute Übersicht zu den Instrumenten der Auseinandersetzung, wenn "das geschützte Rechtsgut" verletzt wird. Rehbock zeigt auch die deutliche Grenze auf, bis zu der juristische Laien ohne professionelle Hilfe gehen können. Dahinter sollten, so Rehbock, unbedingt Anwälte zu Rate gezogen werden.
Andere juristische Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit wie Haftungs- und Honorarfragen bleiben leider unberücksichtigt.
Schreiben
• Hans-Peter Förster: Texten wie ein Profi; Frankfurt (Main) 2008
Die etwas angestrengt werbende Art des Buches ignorierend liest es sich mit erheblichem Gewinn für alle, die selber Texte erstellen müssen. Förster hat das Corporate Wording entwickelt (und sich sogleich schützen lassen), also die Prägung des sprachlichen Bildes und Abbildes einer Organisation. Mit der Orientierung an vier unterschiedlichen Sprachstilen, blau wie nüchtern, grün wie konservativ, gelb wie erlebnisreich und rot wie emotional, ermöglicht seine Theorie eine präzise Steuerung der eigenen Sprachwelt. Auch wenn man seinen Exkursen nicht immer folgen mag regen die Beispiele und vor allem die praktischen Übungen und Wortlisten doch an, die eigene Art des Textens zu überprüfen und zu erweitern.
• Ruth Pink: Kreativität im Journalismus. Abschied von der Routine; Bonn 1999
Pink setzt bei der alltäglichen Situation im Journalismus an: Neue Themen finden, neue Texte schreiben – unter Zeit- und Produktionsdruck. Sie stellt knapp verschiedene Techniken vor und ordnet sie den unterschiedlichen Aufgaben zu. Etwas berufsspezifisch, etwa bei Überlegungen zu Redaktionskonferenzen.
• E. A. Rauter: Die neue Schule des Schreibens. Von der Gewalt der Wörter; Düsseldorf 1996
Immer noch (trotz des Alters), eine wunderbar inspirierende Annäherung an das, was geschrieben Worte sind und sein können. Fast beiläufig kommt alles vor, was gute Texte ausmacht - und das in der Gestalt eines sehr guten Textes. Beispielhaft! Leider vergriffen und nur antiquarisch zu erwerben.
• Jochen Vogt: Aspekte erzählender Prosa. Eine Einführung in Erzähltechnik und Romantheorie; Paderborn 2008
»Storytelling« macht Karriere - als Begriff und als ein wirkkräftiges Instrument in der Öffentlichkeitsarbeit. Geschichten wirken, merken inzwischen auch Öffentlichkeitsarbeitende. Das Buch von Vogt führt in die unterschiedlichen Weisen des Erzählens ein und gibt nebenbei einen Überblick zu den gängigen Theorien im Feld der Germanistik. Dabei bezieht sich Vogt auf die geschriebenen Geschichten, also auf eben das Material, das in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt wird. Kein Buch für die direkte praktische Anwendung, aber ein nützlichen Aufräumen im eigenen Werkzeugkasten.
• Lutz von Werder: Einführung in das Kreative Schreiben; Milow 2002
Von Werder stellt die Bewegung »Kreatives Schreiben« vor, die eine lange Tradition hat und dennoch kaum wahrgenommen wird. Vor mehr als 100 Jahren machten Autorinnen und Autoren methodische Selbstversuche, um zu »anderen« Texten zu gelangen. Werder leitet daraus einige Schreibtechniken ab und bietet eine Fülle von Anregungen zu eigenen »Schreibübungen«.
Soziale Arbeit
• Ria Puhl: Klappern gehört zum Handwerk. Funktion und Perspektive von Öffentlichkeitsarbeit in der Sozialen Arbeit; Weinheim/München 2004
Puhl nähert sich dem Zusammenhang von Öffentlichkeitsarbeit und Sozialer Arbeit in einleuchtenden Schritten: nach Klärungen zum Begriff der Öffentlichkeit und zu einer Theorie der Öffentlichkeitsarbeit liegt der Schwerpunkt auf dem wechselseitigen Bild der Sozialen Arbeit in der Öffentlichkeit bzw. dem Verständnis von Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Sozialen Arbeit. Mit der Begründung von Öffentlichkeitsarbeit als einer notwendigen Profession innerhalb der Sozialen Arbeit bietet das Buch hilfreiche Einsichten und nützliche Argumente. Hinweise zur praktischen Öffentlichkeitsarbeit hat die Autorin nicht geben wollen - und auch nicht gegeben. Das ausführliche Literaturverzeichnis ist eine reiche Fundgrube zum vertiefenden Weiterlesen.
• Ewald Schürmann: Öffentlichkeitsarbeit für soziale Organisationen. Praxishandbuch für Strategien und Aktionen, Weinheim/München 2004
Schürmann will ein praxisorientiertes Kompendium vorlegen und hat sich damit viel vorgenommen. Auf den 264 Seiten reißt er deshalb wesentliche Aspekte und Felder der Öffentlichkeitsarbeit an, ohne in die Tiefe zu gelangen. Nichts ist falsch, aber für Anfangende bietet er zu wenig Handfestes, für Fortgeschrittene zu viel Banales. Da er auf Theorie und Hintergrund weitgehend verzichtet, ist sein Buch nicht einmal als Übersichtslektüre geeignet.
• Detlef Luthe: Öffentlichkeitsarbeit für Nonprofit-Organisationen. Eine Arbeitshilfe; 5. Auflage; Augsburg 2004
Die Daten täuschen etwas darüber hinweg, dass auch die 5. Auflage nur ein unveränderter Nachdruck ist. Zahlen, Angaben und Literatur entsprechen dem Stand der ersten Auflage 1994. Trotz dieses Alters ist das Buch ein nützlicher Wegweiser in die Anfänge der Öffentlichkeitsarbeit. Wer nicht zu viel erwartet, wird nicht enttäuscht: Luthe übersteigt das Niveau einfacher Ratgeberbücher an keiner Stelle. Auch wenn es inzwischen kompaktere und kompetentere Ratgeber gibt, wird das Buch nur alt, nicht falsch.
Theologie
• Christian Grethlein: Kommunikation des Evangeliums in der Mediengesellschaft (Forum der Theologischen Literaturzeitung Bd. 10); Leipzig 2003
Auch wenn manche Daten älter und manche Einschätzungen inzwischen überholt sind - Grethlein bietet einen guten Einstieg in theologische Fragestellungen, die sich aus der kirchlichen Existenz in einer Mediengesellschaft ergeben. Damit steht er in der deutschsprachigen theologischen Literatur immer noch recht allein. Seine Antworten sind erfrischend einfach und deutlich: Der Vorrang personaler Kommunikation bleibt unbestritten, Medien treten ergänzend und begleitend hinzu.
• Reinhard Schmidt-Rost: Massenmedium Evangelium. Das »andere« Programm; Hannover 2011
Schmidt-Rost legt eine kleine Studie vor, die angenehm verstört. Sein Ansatz fragt nicht nach dem Weg des Evangeliums in die Medien, sondern beschreibt das Evangelium als Medium. Im Rückgriff auf den Begriff des Massenmediums und auf die Theorie Luhmanns entwickelt Schmidt-Rost damit eine verblüffend einfache wie tiefe Beschreibung dessen, was Evangelium ist – oder sein sollte. Kommunikation gewinnt ein eigenen Stellenwert im Evangelium und in der Umsetzung des Auftrags, der sich aus dem Evangelium ergibt. »Anders« wird dann die evangelische Kommunikation, anders auch die Medienarbeit, wenn die Akteure das »andere« des Evangeliums als Medium wahrnehmen und gestalten. Der ungewöhnliche Blick regt an, zum Nach-Denken, zum Widersprechen, zur Überprüfung der eigenen Arbeit.
Verschiedenes
Ksenija Auksutat, Gabriele Eßmann, Doris Schleithoff: Gastgeberin Kirche. Kirche schmücken, Altar gestalten, Räume erleben; Gütersloh 2005
Die Chiffre einer gastfreundlichen Kirche hat seit längerem Konjunktur. Auksutat und ihre Mitautorinnen nehmen das Wort wörtlich und fragen nach, was eine Kirche gast-freundlich macht. Dabei konzentrieren sie sich auf das Gebäude und seine Einrichtung, auf die gottesdienstliche Situation und ihren Schmuck, aber auch auf den Alltag einer offenen Kirche. Alle Ebenen der Sinneswahrnehmung werden erläutert, bedacht und in ein Gesamtbild eingefügt. Auch wenn die (protestantische) Kirche des Wortes Gestaltungsfragen immer noch mit einer gewissen Lässigkeit behandelt, machen die Autorinnen auf die Wirkungen von nachlässiger Ästhetik aufmerksam. Einzelne Passagen scheinen der Unterrichtung angehender Küsterinnen und Küster dienen zu sollen, was besonderes Interesse voraussetzt. Das Buch verbindet insgesamt geschichtliches Wissen, praktische Hinweise und theologische Reflexion in gut lesbarer Weise. Ein besonderer Nutzen liegt darin, gestaltete Räume vertieft wahrzunehmen – und in konkreten Hinweisen, welche Fehler möglichst zu vermeiden sind.
